Housing Anywhere
ÖsterreichVermieter Kurzzeitvermietung Wien

Kurzzeitvermietung in Wien: Was bedeutet die Wiener Bauordnung für Vermieter?

User avatar
bei Marle Schwien in 09 May 2019

In London ist die Kurzzeitvermietung bereits auf 90 Tage reduziert. 120 Tage darf in Paris vermietet werden. Eine ähnliche Entwicklung beobachtet man in Amsterdam: Ein Jahreslimit von 60 Tagen ist hier für die touristische Vermietung angesetzt. Metropolen in aller Welt gehen mittlerweile gegen die Kurzzeitvermietung für touristische Zwecke vor. Und nun springt auch Wien auf den Zug auf. Mit einer Novelle zur Bauordnung reagiert die Stadt vorsorglich auf die Zweckentfremdung von Wohnraum.

Die kurzfristige gewerbliche Nutzung für Beherbergungszwecke durch Privatpersonen verdeutlicht, dass touristische Vermietungen üblicherweise nicht in Wohnungen stattfinden und daher mit der Widmung „Wohnung“ nicht im Einklang stehe.

In diesem Artikel erhalten Sie einen Überblick über die Wiener Bauordnung und wir erklären Ihnen, welche Auswirkung das Gesetz zur touristischen Vermietung auf die Wiener Vermieter hat. Zudem wägen wir Alternativen zur Vermietung auf Zeit als Lösung zur Gesetzesnovelle ab.

Verschärfte Kurzzeitvermietung: Das sieht die Novelle zur Wiener Bauordnung vor

Wohnungen werden immer häufiger für touristische Zwecke vermietet, anstatt sie für langfristige Wohnlösungen anzubieten.

Wien steht vor der Herausforderung, einen Ausgleich zwischen dem Bedarf für touristische Unterkünfte und den Bedürfnissen der Bevölkerung zu finden. Damit die Stadt langfristige Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt positiv beeinflussen kann, wurde die Baurechtsnovelle im März 2019 verabschiedet.

Die neue Bauordnung richtet sich an Privatpersonen, die ihre Wohnung ab März 2019 mindestens drei- bis viermal jährlich für touristische Zwecke vermieten. Denn: Eine kurzfristige Vermietung durch Privatpersonen findet „üblicherweise“ nicht in Wohnungen statt und steht daher nicht im Einklang mit der Widmung „Wohnung“ (§ 7a Abs 3 WrBO). Der Paragraf 7a untersagt die „regelmäßige Zurverfügungstellung von Wohnräumen für Beherbergungszwecke gegen Entgelt“, also das kurzfristige Vermieten einer ganzen Wohnung oder eines Aufenthaltsraumes, wenn sich diese in Wohnzonen befinden. Wohnzonen sind die Wohngebiete und gemischte Baugebiete der Bezirke 1 bis 9 und 20. Damit bleibt die kurzfristige Vermietung aus rechtlicher Sicht nur dann zulässig, wenn sich der Wohnraum nicht in den Innenbezirken von Wien befindet.

Wer gegen die Bauordnungsnovelle verstößt, muss unter anderem mit einer Verwaltungsstrafe in Höhe von 21.000 Euro rechnen.

Downloaden Sie den Leitfaden für Vermieter

Alternative Vermietungsform: Mittel- bis langfristige Vermietung für eine faire „Shared Economy“

Das Vermieten von Wohnraum zu touristischen Zwecken beweist sich insbesondere in Ballungsräumen als attraktives Geschäftsfeld. Dennoch sollten sich Wiener Vermieter über ihre soziale Verantwortung bewusst sein: In direktem Einfluss auf den Wohnungsmarkt bieten sie den Bewohnern in Wien einen Schutz und unterstützen jungen Menschen dabei, eine Perspektive und neue Karrierechancen dank bezahlbaren Wohnraums anzunehmen. Auch wenn der Tourismus in Wien ein wirtschaftlicher Faktor für die Stadt, private und gewerbliche Vermieter darstellt, sollten sich alle Beteiligten um einen Ausgleich zwischen dem Bedürfnis der Touristen und der Bevölkerung bemühen.

Die Baurechtsnovelle ist ein erster Schritt für eine faire „Shared Economy“ in Wien, in der junge Menschen oder Studierende weiterhin die Möglichkeit haben, bezahlbaren Wohnraum in den Wohnzonen zu finden und für Touristen dennoch weiterhin Unterkünfte zur Verfügung stehen.

Vermieter sollten die Vor- und Nachteile für die kurzzeitige Vermietung zu touristischen Zwecken gut abwägen und eine Lösung finden, die mit ihrer sozialen Verantwortung und den persönlichen Zielen der Vermietung übereinstimmt. Eine Abwägung von alternativen Formen der Vermietung ist hierfür notwendig:

kurzfristige Vermietungmittel- bis langfristige Vermietung
VorteileMehr FlexibilitätBeständige Rendite
Höheres MieteinkommenGeringe Fluktuation
Weniger VerschleißHohe Mietkaution
NachteileHöherer UnterhaltWeniger Flexibilität
Kein garantiertes EinkommenGeringere Kontrolle über die Immobilie
Hoher Wettbewerb
Hoher Verwaltungsaufwand

Fazit

Die touristische Zweckentfremdung gilt in einigen europäischen Metropolen bereits als ausschlaggebender Faktor für horrende Mietpreise. Damit es Wien gelingt, frühzeitig auf die gewerbliche Nutzung von Wohnraum für touristische Zwecke zu reagieren, ist im März 2019 die Wiener Bauordnung in Kraft getreten.

Für Vermieter bedeutet die neue Wiener Bauordnung, dass die kurzfristige gewerbliche Nutzung für Beherbergungszwecke in bestimmten Wohnzonen untersagt ist. Als Wohnzonen gelten die Wohngebiete und gemischte Baugebiete der Bezirke 1 bis 9 und 20 und damit sämtliche innerstädtische Bereiche Wiens. Damit bleibt die touristische Kurzzeitvermietung weiterhin für Wohnraum zulässig, der sich nicht in den Innenbezirken Wiens befinden.

Der Beschluss kann für Vermieter als Appell wahrgenommen werden, um sich mit alternativen Lösungen zur Vermietung auseinanderzusetzen. Die kurzfristige Vermietung bietet ein hohes Maß an Flexibilität sowie höhere Mieteinnahmen. Die mittel- bis langfristige Vermietung verspricht hingegen einen beständigen Mieter, wodurch der hohe Verwaltungsaufwand immens reduziert wird. Diese Alternative ermöglicht Vermietern ohne hohen Aufwand eine langfristige Rendite erzielen zu können.

Weitere Informationen?

Haben Sie noch mehr Fragen über das Zweckentfremdungsgesetz in Wien? Lassen Sie sich von einem Experten beraten.

Bleiben Sie auf dem neusten Stand.

Weitere Tipps für Vermieter und Immobilieneigentümer, maximal einmal die Woche? Füllen Sie Ihre Informationen hier aus, um sich für den Newsletter anzumelden:

User avatar
bei Marle Schwien in 09 May 2019
Bereit deine neuen Mieter zu finden?Dein Zimmer einstellen
Teilen